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MuseumsQuartier Wien


TONSPUR_passage


TONSPUR_passage


Kabinett passage


Kabinett passage


STREET ART PASSAGE VIENNA


STREET ART PASSAGE VIENNA


Typopassage Wien


Typopassage Wien

 

Die Themenpassagen des quartier21/ MQ

Das MuseumsQuartier Wien (MQ), mit 60.000 qm eines der größten zeitgenössischen Kulturareale der Welt, gleicht einer Stadt in der Stadt mit großen und kleinen Häusern, Schanigärten, Stiegen- und Brunnenanlagen, Straßen und Plätzen. Täglich flanieren bis zu 11.000 Personen durch dieses Areal. Auf ihren Wegen passieren sie immer wieder Durchgänge, die hineinführen oder verschiedene Höfe miteinander verbinden. Das System der Durchgänge stammt noch aus der Barockzeit. Es sind zumeist tonnengewölbte Halborte: halb öffentlich, halb intim, überdacht und kompakt, aber ohne Türen und Fassaden, immer zwischen den Dingen gelegen.

Nach einem Konzept des Kulturwissenschaftlers Vitus Weh, langjähriger künstlerischer Leiter des quartier21, wurden ab 2006 sukzessive einige dieser Durchgänge als Themenpassagen etabliert. Eine Themenpassage ist strukturiert wie ein komplettes Museum: Es gibt einen prominenten Ort, eine thematische Widmung, wechselnde Ausstellungen, Kuratoren, einen Museumsshop und Besucher. Doch im Unterschied zu herkömmlichen Museen sind die Passagen durchlässig, stark frequentiert und gleichsam informell: Man kann vorbeigehen oder aber einen Blick in unbekannte Gebiete werfen, stehen bleiben und spannenden Dingen auf Augenhöhe begegnen. Die Ausstellungen haben zumeist in Vitrinen Platz, die Publikationen kann man sich preiswert aus Automaten ziehen, die Vernissagen finden bei jedem Wetter statt. Gefasst und markiert sind die Passagen jeweils durch eine große, bleibende Installation eines internationalen Künstlers/einer Künstlerin. Die Ausstellungen wechseln drei- bis sechsmal jährlich. Das Thema und die Grundausstattung einer Passage wird jeweils vom quartier21 konzipiert und finanziert, um anschließend per Nutzungsvertrag (jeweils auf zwei Jahre) in die Hände der jeweiligen Kuratoren übergeben zu werden. Die Kuratoren kümmern sich um das Programm, die Öffentlichkeitsarbeit und die Finanzierung des laufenden Betriebs. In die Grundgestaltung der Passage sind sie bereits mit eingebunden. Jede Passage ist damit für sich eine autonome Institution.

Die Themenpassagen können einerseits als eine Form von Kunst im öffentlichen Raum wahrgenommen werden, andererseits als „Mikromuseen“, als spartanische Grundgerüste von „richtigen“ Museen, gleichsam als Setzlinge, die alle Anlagen mitbringen und nun wachsen wollen, oder – in Referenz an André Malraux’ Begriff des Musée imaginaire – als Vorhallen zu imaginären Großmuseen, als im MuseumsQuartier verstreute Propyläen, die in unbekanntes Terrain führen. Beide Herangehensweisen sind richtig, sie unterscheiden sich nur in der Perspektive – auch zu Fuß kann man die Themenpassagen ja jeweils von zwei Seiten betreten.

So neu und transitorisch wie ihre Struktur ist auch das Themenspektrum der Passagen: In der einen Passage geht es um verklingende Klangarchitekturen, in der anderen um Comics, d.h. ein Medium, das sich vornehmlich in preiswerten Heften abspielt, in der dritten geht es um Street Art, also um die anonyme Kunst der Straßen und städtischen Unorte, in der nächsten schließlich um das buchstäbliche Medium Typografie. All diese Themen haben in den letzten Jahren enorm an Achtung gewonnen, gelten landläufig aber noch als kulturelle Zonenrandgebiete. Innerhalb des MuseumsQuartier Wien verstehen sich die Themenpassagen damit als Ergänzung und Alternative zu den bestehenden Großmuseen (MUMOK und Leopold Museum). Ihr spezifisches Themenspektrum spiegelt einerseits einige rezente Dynamiken der zeitgenössischen Kulturproduktion – in diesem Sinne sind es „Mikromuseen der Popkultur“ –, andererseits reflektieren sie innerhalb des MuseumsQuartiers auch den kulturellen Kanon an sich. Denn so prägend diese kanonischen Hierarchien für unsere Wahrnehmung sind, so wenig feststehend sind sie. Vor dreißig Jahren war zum Beispiel die Fotografie noch ein vorgeblich kulturelles Randgebiet. Doch mittlerweile gibt es für diese Kunst weltweit viele Museen und Ausstellungshäuser, Zeitschriften, Messen und Sammler. Auch regional gibt es Unterschiede: während hierzulande Comics noch als „subkulturell“ gelten, steht diese Kunst in Frankreich oder Belgien unter dem Begriff „Bande dessinée“ seit langem im Zentrum. Andererseits gibt es auch Absteiger wie zum Beispiel die Druckgrafik oder der Gipsabguss. Das sind einst gefeierte Kunstsparten, die heute kaum mehr interessieren.
Im Wissen um solche Verschiebungen erscheint auch das MuseumsQuartier Wien als flexibler Raum: Seine konkrete Zusammensetzung ist nicht auf ewig festgeschrieben. Über die Jahrzehnte werden sich einzelne Häuser wandeln, andere Themen werden wichtig werden. Die Passagen sind diesbezüglich Schwellenländer. Ob sie sich mit ihren Themen behaupten, wird man beobachten müssen. Zumindest haben sie sich bereits im Zentrum eingenistet, Platz verschafft und wollen ein Publikum gewinnen. Wünschen wir ihnen viel Erfolg!

TONSPUR_passage
Mit der TONSPUR_passage wurde im Mai 2006 erstmals ein permanenter Spielort für Klangkunst in Wien etabliert. Mehrkanalige, das übliche Stereobild aufhebende Kompositionen von internationalen KünstlerInnen erschaffen Klangarchitekturen und begehbare Tonräume.

TONSPUR_passage |
täglich 10–20h | www.tonspur.at
Künstlerische Leitung:
Georg Weckwerth
Technische Leitung/
Klangarchitektur:
Peter Szely
Deckenbild: Esther Stocker, www.estherstocker.net
Ausstellende Künstler: Andres Bosshard, Christina Kubisch, Olga Neuwirth, Terry Fox, Gerhard Rühm u.a.

 

KABINETT passage
Raum für Comic und Artverwandtes
Die Kabinett passage wurde im September 2007 eröffnet. In den Vitrinen dieser Passage werden wechselnde Ausstellungen internationaler Comic-Kunst präsentiert. Zu jeder Ausstellung erscheint eine eigene Publikation, die an den Automaten rund um die Uhr erworben werden kann. Das permanente Deckengemälde wurde vom französischen Zeichner Stéphane Blanquet entworfen.

KABINETT comic passage | täglich 0–24h | www.kabinett.at
Leitung:
Nicolas Mahler, Heinz Wolf
Deckenbild: Stéphane Blanquet, www.blanquet.com
Ausstellende Künstler: Rudi Klein, Ralf König, Mahler, Heinz Wolf, Diceindustries, Christoph Abbrederis u.a.

 

STREET ART PASSAGE VIENNA
Die STREET ART PASSAGE VIENNA zeigt Arbeiten von lokalen und internationalen Street-Art-KünstlerInnen. Sie befindet sich seit September 2008 am Brückenkopf zwischen dem MQ-Areal und der höher gelegenen Breite Gasse des 7. Wiener Gemeindebezirks. Zu jeder Ausstellung erscheint unter dem Titel betonblumen ein individuelles Künstlerheft, das an Automaten rund um die Uhr erworben werden kann. Die permanente Fliesengestaltung der Brücke stammt vom französischen Street Art Künstler "Invader".

Street Art Passage Vienna / tägl. 0-24h/ www.betonblumen.org
Kuratoren:
Jogi Neufeld, 401RUSH,
Entwurf für Fliesenmosaik: Invader,
www.space-invaders.com
Ausstellende KünstlerInnen: Invader, Busk, Fefe Talavera, Mandarina Brausewetter, Kryot, Dome u.a.

 

Typopassage Wien
Mikromuseum für Gestaltung
von und mit Schrift

Gezeigt werden neue typografische Positionen. Vielfach selbstverständlich und nicht bewusst wahrgenommen, ist Schrift tatsächlich eines der wichtigsten Kulturmedien der Welt. Zu jeder Ausstellung erscheint eine eigene Publikation, die am Automaten rund um die Uhr erworben werden kann.
Vom ersten Typografen der Ausstellungsserie, Alex Trochut, stammt die Gestaltung des Gewölbes der Typopassage. Als Landmark und Leitmotiv gedacht, widmet sich Trochut einem der zentralen Themen im Umgang mit Schrift: der Lesbarkeit und dem Spiel mit ihren Grenzen. Diese Fragestellung werden viele andere Gestalter in dieser Reihe auf unterschiedlichste Art wieder aufgreifen.

Typopassage Wien |
täglich 0–24h | www.typopassage.at
Kurator: Erwin K. Bauer (erwinbauer.com)
Deckengestaltung: Alex Trochut (alextrochut.com)
In Kooperation mit:
tga (typografische gesellschaft austria)
Ausstellende KünstlerInnen: Alex Trochut (Barcelona), Ariane Spanier (Berlin), typodarium, welcome.to (Lausanne)